zurück

Das Insektensterben

Studien zum Rückgang der Insekten

In vielen Studien wurde das Insektensterben in den letzten Jahren aufgezeigt. Jetzt ist es Zeit zu handeln. Mit unserem umfangreichen Beratungsangebot helfen wir Ihnen gerne weiter.
Das Insektensterben

Viele wissenschaftliche Studien aus Deutschland und aus ganz Europa zeigen drastische Rückgänge der Arten- und Individuenzahlen wichtiger Insektengruppen, in den vergangenen 20 bis 200 Jahren.

Die Wahrnehmung:

Repräsentative Umfrageergebnisse des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag der „Deutschen Wildtier Stiftung“:

77 % der Befragten gaben an, dass sie immer weniger Schmetterlinge sehen
73 % finden, dass dies ein „großes“ oder sogar „sehr großes“ Problem ist
72 % der Befragten betrachten den Lebensraumverlust als Hauptursache – insbesondere den Mangel an artenreichen Blumenwiesen

DEUTSCHE WILDTIER STIFTUNG (2017): Viele Deutsche vermissen die Schmetterlinge. Repräsentative Umfrageergebnisse des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag der Deutschen Wildtier Stiftung. Pressemitteilung vom 21.08.2017

Auswahl faunistischer Studien:

(Die Arbeit des Vereins Krefelder Entomologen unterstützen folgende Studien:)


Insektensterben: Auch häufige Arten werden selten!

Senckenberg-Wissenschaftler konnten gemeinsam mit Kollegen der TU München nachweisen, dass derzeit weit verbreiteten Insekten zukünftig ein hoher Artenverlust droht.

Als Gründe für den Rückgang dieser „Generalisten“ nennt das Forscherteam eine Verinselung von Lebensräumen sowie die Intensivierung der Landwirtschaft

Auch die sogenannten ‚Allerweltsarten’ sind in Zukunft massiv gefährdet.
Haben die Tiere – aufgrund von Verinselung ihrer Lebensräume – nicht mehr die Möglichkeit diese genetische Vielfalt durch Austausch aufrecht zu erhalten, wird ihnen zukünftig die Anpassungsfähigkeit an veränderte Umweltbedingungen fehlen.

Für den praktischen Naturschutz heißt dieses Ergebnis, dass es zukünftig nicht mehr ausreichen wird kleine, isolierte Schutzgebiete zu erhalten – diese sind zwar ein Gewinn für spezialisierte Arten mit einfacher genetischer Struktur; die Masse an Arten, die auf einen Austausch zwischen lokalen Populationen angewiesen ist, werden wir so mittel- oder langfristig aber verlieren

Dies führt zu einem weiteren Rückgang von zahlreichen Insektenarten – mit dramatischen Auswirkungen auf ganze Nahrungsnetze und Ökosysteme.

https://idw-online.de/de/news?print=1&id=688484, Judith Jördens, Senckenberg Pressestelle, Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen, 13.03.2018

Studie über 200 Jahre belegt steten Schwund der Schmetterlingsarten!

Spezialisierte Schmetterlinge sterben trotz Naturschutz aus.

Die Beobachtung über einen Zeitraum von 200 Jahren bestätigt den allgemeinen Trend, dass spezialisierte Arten stark rückläufig sind, obwohl sie im Fokus des Naturschutzes stehen.

Beispielsweise wurden zwischen 1840 und 1849 noch 117 Tagfalterarten und Widderchen (tagaktive Nachtfalter) verzeichnet, zwischen 2010 und 2013 sind es nur noch 71 Arten.

Zudem hat sich die Zusammensetzung der Schmetterlingsarten verändert. Lebte früher eine vielfältige Schmetterlingsgemeinschaft in der Region, dominieren nun wenige Habitat-Generalisten.

Verschwunden sind viele Habitat-Spezialisten, die bestimmte Raupenfutterpflanzen und Lebensraumstrukturen zum Überleben benötigen.

Die Ursachen sind laut der Studie vor allem in den hohen Emissionen reaktiven Stickstoffs zu suchen.

Jan Christian Habel, Andreas Segerer , Werner Ulrich, Olena Torchyk, Wolfgang W. Weisser und Thomas Schmitt: Butterfly community shifts over 2 centuries, Conservation Biology 2016. DOI: 10.1111/cobi.12656
https://www.tum.de/die-tum/aktuelles/pressemitteilungen/detail/article/32997/



Die ornithologische Beobachtungsstation am Randecker Maar dokumentiert seit dem Jahr 1972 auch den Herbstzug der Schmetterlinge und Schwebfliegen.

Kohlweißlinge: „früher“ > 1000 / Tag „heute“ < 20 / Tag
= Rückgang um ca. 98 %

Tagpfauenaugen: „früher“: > 400 / Tag; „heute“: ~ 01 / Tag
= Rückgang um ca. 99 %

Schwebfliegen: „früher“: > 1500 / Tag; „Heute“: „Erfassung nicht mehr lohnend“
= Rückgang um ca. ?? %

SCHORRADT T. (2017): Kirchheimer Vogelkundler schlägt Alarm. Die Schmetterlinge fliegen nicht mehr. In: Stuttgarter Zeitung 37/2017


Erfassung der häufigen Mörtelbienen (Megachile parietina) am Goldberg im Nördlinger Ries in den Jahren 2006 bis 2016 (10 Jahre)

Anzahl Nester 2006: 34; 2010: 33; 2016: 15
= Rückgang um 55 %

SCHWENNINGER H.R., Scheuchl E. (2016): Rückgang von Wildbienen, mögliche Ursachen und Gegenmaßnahmen (Hymenoptera, Anthophila).


Erfassung der Schmalbienen-Art Lasioglossum calceatum im Naturschutzgebiet (NSG) „Eierberg“ auf der Schwäbischen Alb in den Jahren 1970 bis 2016 (46 Jahre)

1970: 130 2016: 5
= Rückgang um 95 %

SCHWENNINGER H.R., Scheuchl E. (2016): Rückgang von Wildbienen, mögliche Ursachen und Gegenmaßnahmen (Hymenoptera, Anthophila).


Erfassung der Nachtfalter im Inntal bei Aigen und am Stadtrand von München seit 1980 bis 2016 (36 Jahre)

Rückgang der Individuenzahl: 50%
Rückgang der Artenzahl: 55%



ZEIT ONLINE (2017): Biologe beklagt Verschwinden der Schmetterlinge. In: http://www.zeit.de/news/2017- 08/21/tiere-biologe-beklagt-verschwinden-der- schmetterlinge-21152805



Erfassung der wiesenbewohnenden Tagfalter im Inntal bei Aigen von 1976 bis 2016 (40 Jahre)

Abnahme der Arten um 73 %

REICHHOLF J. (2017): Das Verschwinden der Schmetterlinge. Vorabinformationen aus dem Statusbericht von Prof. Dr. Josef H. Reichholf, 2017. Herausgegeben von: Deutsche Wildtier Stiftung

Erfassung der Nachtfalter in ganz Großbritannien in den Jahren 1968 bis 2007 (40 Jahre) im Rahmen des „The State of Britains Larger Moths“-Reports 2013

Die Individuenzahl der Nachtfalter in Großbritannien hat sich seit 1968 um Ø 28 % reduziert
Im Süden Großbritanniens ist die Individuenzahl sogar um 40 % zurückgegangen
Bei 2/3 der 337 in GB heimischen Nachtfalterarten zeigen seit 1968 einen Bestandsrückgang. Bei 50 % dieser Arten hat sich die Zahl der Individuen halbiert

FOX R. et al. (2013): The State of Britain‘s Larger Moths 2013. Butterfly Conservation and Rothamsted Research

Erfassung der Laufkäfer zwischen 1994 und 2008 (14 Jahre) an 11 Orten in ganz Großbritannien

Seit 1994 ist 3/4 der heimischen Laufkäferarten in ihrem Bestand zurückgegangen
Der Süden Großbritanniens ist mit einem Rückgang von 52 % besonders stark betroffen

BROOKS D.R. et al. (2012): Large carabid beetle declines in a United Kingdom monitoring network increases evidence for a widespread loss in insect biodiversity. In: Journal of Applied Ecology 2012, 49, 1009-1019

Erfassung der großen Nachtfalter mit Lichtfallen nahe Tompa in Ungarn zwischen 1962 und 2000 (38 Jahre)

Artenzahl: = Rückgang um 35 %
Individuenzahl: = Rückgang um 70 %


SZENTKIRALYI F. (2002): Fifty-year-long insect survey in Hungary: T. Jermy‘s contributions to light-trapping. In: Acta Zoologica Academiae Scientiarum Hungaricae 48 (Suppl. 1), pp. 85-105, 2002

Untersuchung des Zustandes und der Verbreitung aller 576 europäischen Rote-Liste-Falterarten zwischen 1980 und 2005 (25 Jahre)

Die Verbreitung der 576 R-L-Falterarten ist insgesamt um 11 % zurückgegangen
Die Verbreitung der Generalisten hat sich um 1 % reduziert
Die Verbreitung der Spezialisten ist um 19 % (Wiesenarten), 15 % (Feuchtgebietsarten) und 14 % (Waldarten) zurückgegangen! Anzeichen für Verluste bedeutender Habitate

AN SWAAY C., Warren M., Lois G. (2006): Biotope use and trends of European butterflies. In: Journal of Insect Conservation (2006) 10: 189-209


16 Hypothesen als Ursachen (nach NABU BW erweitert von Philipp Unterweger)

1. Vergiftung der Landschaft
2. Neonicotinoide
3. Überfrachtung mit Stickstoff
4. Gerade Linien in quadratischen Landschaften
5. Verinselung
6. Habitatentwertung
7. Klimawandel
8. Lichtverschmutzung

9. Umbruch von Grünland in Ackerland
10. Verkehrsopfer
11. Naturferne Gärten
12. Summations- und Kaskadeneffekte
13. Gesellschaft und Konsumverhalten
14. Industrielle Landwirtschaft
15. industrie- und wirtschaftsfokussierte Gesellschaft
16. Verlust von Respekt und Achtsamkeit


Quelle: u.a. Adam Schnabler; NABU-Landesverband Baden-Württemberg Tübinger Straße 15 70178 Stuttgart
Philipp Unterweger
04.04.2018 11:51