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Die insektenfreundliche Stadt

Sanfte Umwandlung mit Erfolg!

Die Anlage insektenfreundlicher Lebensräume, die Bienenfreundlichkeit und die Beachtung der biologischen Vielfalt auf städtischen Grünflächen ist ein Ziel moderner und nachhaltiger Stadtplanung.
Unser Angebot greift Ideen der weltweiten Artenschutzbemühungen auf und versucht, diese im innerstädtischen Raum umzusetzen. Dabei streben wir eine insektenfreundliche und naturschutzfachliche Optimierung der Grünflächenpflege unter dem Gesichtspunkt der Erhöhung der Biodiversität auch im Siedlungsbereich an.

Oft spielen die Art der bisherigen Nutzung, Kostengründe und ein ästhetischer Minimalkonsens die Hauptrolle für das Anlegen und Pflegen von Rasenflächen und gemulchten Wiesen innerhalb der Stadt. Das Ziel unserer Beratung ist aber ein anderes. Möglichst viele wenig genutzte innerstädtische Flächen sollen auf ein zweischüriges Mahdregime umgestellt werden, um so artenreiche, bienenfreundliche und insektenschützende Wiesen zu etablieren und zu erhalten.

Das Erstellen des Pflegekonzeptes beinhaltete Überlegungen aus botanischer und zoologischer Sicht. Die botanische Optimierung (A) beinhaltet eine zweimalige Mahd mit anschließendem Abräumen des Schnittgutes zur Förderung der Pflanzenvielfalt.

Neben diesem zweischürigen Konzept (A) wurden auch Flächen angelegt bzw. in der Pflegeart umgestellt, welche zum einen durch einen einmaligen Schnitt im Frühjahr (B) Überwinterungshabitat bieten sollen, beziehungsweise durch einen einmaligen Schnitt im Herbst (C) die Imaginalentwicklung von Spätsommerinsekten schützen (zoologische Optimierung) sollen. Dieses dreigliedrige Mahdkonzept (A,B,C) führt mittelfristig zu artenreichen und multifunktionalen Wildblumenwiesen.

Wissenschaftliche Arbeiten

Um diese wissenschaftlich zu begleiten, wurden studentische Abschlussarbeiten (Bachelor, Diplom, Staatsexamen) angefertigt.
In diesen Arbeiten wurde der Wert extensiv gepflegter Grünflächen gegenüber intensiv gepflegten Flächen im Hinblick auf die Insektenfauna verglichen.
Die Coleopteren (Käfer) wurden von Ade et al. (2012) untersucht, Wastian et al. (2016) untersuchten die Wildbienenfauna im Stadtgebiet Tübingens und konnten 66 Wildbienenarten (470 Individuen) nachweisen. Kricke et al. (2014) untersuchten die Tagfalterzönose auf Versuchsflächen der Initiative. Hiller and Betz (2014) untersuchten die Auswirkung der Mahdhäufigkeit auf die Heuschreckenzönosen und konnte dabei 15 verschiedene Arten aus vier Familien bestimmen.
Außerdem fanden Unterweger et al. (2017) auf acht Modellwiesen in Tübingen 335 Wanzenindividuen aus 12 Familien und 49 Arten und konnten den postiven Einfluss der extensiven Mahd auch für diese Gruppe bestätigen.

Alle Ergebnisse zeigen deutlich quantitative Unterschiede der Fänge zwischen den Flächenpaaren (Rasen versus Wiese). Betrachtet man die Rasenflächen, so sind hier nur sehr geringe Fangzahlen zu verzeichnen. Diese Befunde belegen, dass häufiges Mähen zu einem starken Rückgang der Insekten auf den Flächen führt. Die Zahl seltener Arten ist auf den untersuchten Wiesenflächen der Stadt Tübingen höher als auf den Rasenflächen. Rote Liste Arten traten ausschließlich auf Wiesenflächen auf.

Dieses Ergebnis zeigt, dass sich der eigentliche Wert dieser Arbeit erst mittel- und langfristig einstellen wird. Dazu ist eine dauerhafte Etablierung des extensiven und insektenfreundlichen Mahdregimes auf den innerstädtischen Grünflächen nötig.

Empfehlung zur Nachahmung:

Wir ratend daher dringen zur Einbindung von extensiver Grünflächenpflege in die Aktionspläne zur Verringerung des Biodiversitätsverlusts auf kommunaler Ebene. Gerne stehen wir Ihnen für Beratungsaufträge und bei der praktischen Umsetzung kompetent zur Seite.

Referenzen:

Ade, J., Wolf-Schwenninger, K. & Betz, O. (2012). Auswirkungen der Wiesenmahd auf verschiedene Käferarten ausgewählter Grünflächen im Stadtgebiet Tübingens. - Jahreshefte der Gesellschaft für Naturkunde in Württemberg. 168, 199-216.

Graf, L. & Unterweger, P. (2012): Tübingen hört das Gras wachsen - eine Initiative stellt sich vor. Faktor 14. Tübingen.

Hiller, D. & Betz, O. (2014). Auswirkungen verschiedener Mahdkonzepte auf die Heuschreckenfauna städtischer Grünflächen. - Naturschutz und Landschaftsplanung. 46 (8), 241-246.

Kricke, C., Bamann, T. & Betz, O. (2014). Einfluss städtischer Mahdkonzepte auf die Artenvielfalt der Tagfalter. - Naturschutz und Landschaftsplanung. 46, 052 - 058.

Unterweger, P., Ade, J., Braun, A., Koltzenburg, M., Kricke, C., Schnee, L., Wastian, L. & Betz, O. (2013a): Langfristige Etablierung extensiver Grünflächenpflege in Stadtgebieten. Die Initiative "Bunte Wiese" der Stadt Tübingen. Treffpunkt Biologische Vielfalt XII: interdisziplinärer Forschungsaustausch im Rahmen des Übereinkommens über die biologische Vielfalt (ed. U. Feit, Korn, H.). BfN, Außenstelle Vilm, Insel Vilm.

Unterweger, P. & Braun, A. (2015). Die Initiative Bunte Wiese: Machen wir's bunt. - Natur und Garten. Januar 2015.

Unterweger, P., Braun, A., Boeß, R., Koltzenburg, M. & Betz, O. (2015). Langfristige Etablierung extensiver Grünflächenpflege in Stadtgebieten. Vorstellung der Initiative "Bunte Wiese" der Stadt Tübingen. - DGaaE-Nachrichten. 29.

Unterweger, P., Braun, A., Koltzenburg, M. & Betz, O. (2013b): Die Initiative „Bunte Wiese “–für mehr Artenvielfalt auf öffentlichem Grün. Biodiversität und Klima, pp. 53. Bundesamt für Naturschutz. Außenstelle Vilm.

Unterweger, P.A., Rieger, C. & Betz, O. (2017). The influence of urban lawn mowing regimes on diversity of heteroptera (Hemiptera) -Heteropteron. 48.

Wastian, L., Unterweger, P.A. & Betz, O. (2016). Influence of the reduction of urban lawn mowing on wild bee diversity (Hymenoptera, Apoidea). - Journal of Hymenoptera Research. 49, 51.

 
Philipp Unterweger
09.04.2018 12:45