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Artenvielfalt erhalten und fördern- spannende Denkanstöße beim KOGV Aalen

Vortrag im Gasthaus Lamm in Rainau-Schwabsberg

Als Topreferent des Abends war Dr. Philipp Unterweger, studierter Biologe und engagierter Naturschützer aus Wain eingeladen.
Am 05. November trafen sich über 150 interessierte Garten- und Naturfreunde zur alljährlichen Vorständetagung des Kreisverbandes der Obst- und Gartenbauvereine Aalen e.V. Als Topreferent des Abends war Dr. Philipp Unterweger, studierter Biologe und engagierter Naturschützer aus Wain eingeladen.

"Bienen-, Insektensterben, Biodiversitätsverlust & Schaffung von naturnahen Blumenwiesen & Lebensräumen" , das sind die Themen, mit denen sich der engagierte Biologe seit Jahren befasst. Diese brachte er in seiner lebhaften Vorstellung den gespannt lauschenden Zuhörern eindrucksvoll und anschaulich nahe. Obwohl es in Mitteleuropa über 30.000 Insektenarten gibt, sei es alleine die Honigbiene, die als Symbol für das Insektensterben im Allgemeinen stehe.
Was könne jeder Einzelne für den Artenerhalt und die Förderung der Biodiversität tun? Als Beispiel zog der Referent den Vergleich zwischen Wiese und Rasen heran:
Eine Wiese, die nur zweimal pro Jahr gemäht wird, beherberge deutlich mehr Insekten und anderen Lebewesen, die hier Lebensraum und Nahrung finden können als ´englischer´ Rasen. Das sogenannte Langgras habe aufgrund der größeren Blattmasse auch einen deutlich positiveren Einfluss auf das Kleinklima der näheren Umgebung. Es verdunste mehr Wasser, binde mehr Kohlendioxid und produziere zudem mehr Sauerstoff als regelmäßig kurz gemähte Rasengräser. Aber je nach gewünschtem Nutzungsanspruch haben natürlich beide Systeme ihre Berechtigung.

Wolle man aber die Vielfalt der Insekten- und Pflanzenarten fördern, gelänge das nur indem man die Flächen ausmagere, d.h. das Langgras nach dem Mähen nicht liegenlasse oder mulche, sondern von der Fläche entferne. So werden längerfristig Nährstoffe entfernt und Kräuter und Wiesenblumen können sich etablieren.

Das `Flower Concept´ von Dr. Unterweger sieht deshalb vor, jedes Jahr einmal Mitte Mai bis Mitte Juli und das zweite Mal von August bis Mitte Oktober, die Wiesen zu mähen und den Aufwuchs abzufahren. Über dies Abmagerung der Fläche komme man einem optimalen Blumenwiesen-Standort näher. Zur Aussaat solle man aber unbedingt nur gebietsheimisches (autochthones) Saatgut verwenden, da nur damit die Anpassung zwischen heimischen Insekten und Pflanzen optimal funktioniere. Nicht jede im Laden "blumig" aufgemachte Samenpackung sei für diesen Zweck geeignet.

Dies Zusammenhänge dokumentierte Dr. Unterweger mit verschiedenen Studien und Bildern von Tübingen, der Alb und anderen Landstrichen Deutschlands und Europas.
Besonders interessant waren auch die Ausführungen zur Überwinterungsökologie und -strategie der Insekten. Sehr viele Arten überwintern in Säumen entlang von Wegen und Waldrändern und schlüpfen von Mitte Februar bis Mitte Juni. Das oft übliche Mulchen dieser Flächen zerstöre die Überwinterungsquartiere und lösche ganze Insektengenerationen aus. Es sei zu überlegen, wie diese sogenannten Larvenhabitate geschützt werden können, da viele Insekten in alten Blüten, Stängeln oder am Blattgrund überwintern. Der eindrückliche Rat des Referenten an Hobbygärtner und auch an Gemeinden war, vor dem Winter nie alle Flächen an Wegen und in den Hausgärten ´aufzuräumen´. Man dürfe nie im Herbst sämtliche abgestorbenen Pflanzenteile abschneiden, damit es danach ´ordentlich´ aussähe, sondern müsse unbedingt einen Teil von ihnen zum Schutz der Insektenentwicklung stehen lassen.

Abschließend befasste sich der Referent mit einer aktuellen Stuttgarter Studie zum Insektenrückgang. Danach hat auch der Rückgang der Weidehaltung (extensive Nutzung der Flächen mit angepasstem Tierbesatz) den Artenrückgang beschleunigt.

Zahlreiche Insekten, aber auch Wiesen-, genauer gesagt Weidenbrüter, finden auf den intensiv genutzten Flächen keine Lebensgrundlage mehr und verschwinden. Dr. Unterweger stellt die These auf, dass es künftig in vielen Gemeinden wohl normal werden dürfte, neben einem Stadtgärtner auch einen "Stadthirten" zu beschäftigen. Dieser kümmere sich bei ökologisch wertvollen Grünlandflächen um entsprechende Weidekonzepte und damit wieder um die Erhöhung der Artenvielfalt.

An den Vortrag schloss sich eine angeregte Diskussion an.

Wer mehr über diese Themen erfahren möchte, kann sich unter www.philippunterweger.de; www.echte-bauern.de informieren.

Wer mehr über die Obst- und Gartenbauvereine, ihre Themen und Projekte wissen möchte, findet weitere Infos unter www. kogv-aalen.de.

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Karl van Eeck, Christiane Karger
14.11.2019 13:55