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Kommunen weiterhin aktiv für die biologische Vielfalt

Weniger Schotter und Einheitsgrün, mehr Diversität auf innerörtlichen Grünflächen

Das LEADER geförderte Projekt „Insektenfreundliche Kommune“ geht 2021 in die zweite Runde.
Mehr als 50% der heimischen Wildbienenarten und mehr als 30% der Heuschrecken und Käfer sind derzeit in ihrem Bestand gefährdet. Der Verlust Artenvielfalt und insbesondere der Insekten ist sowohl auf globaler, nationaler als auch lokaler Ebene spürbar.

Bereits im letzten Jahr entschlossen sich die LEADER-Gemeinden des Landkreises Böblingen Bondorf, Jettingen, Deckenpfronn, Mötzingen und Weissach in Kooperation mit dem Landschaftserhaltungsverband Böblingen verschiedene Maßnahmen zum Insektenschutz in ihrer Gemeinde durchzuführen. Neben Infoveranstaltungen, Flyern, Nisthilfen, und Umweltbildungsprogrammen wurden insektenfreundliche Blühflächen angelegt, oder die Schnitthäufigkeit auf innerörtlichen Grünflächen reduziert. Das gefiel nicht jedem. „Trotz Hinweisschildern bekamen wir immer wieder Rückfragen warum wir unsere Flächen nicht „Gscheit Pflegen“ würden“, berichtet Herr Köhler, Bauhofleiter in Deckenpfronn. Was auf den ersten Blick nach vergessenem Wildwuchs aussieht, ist in Wirklichkeit jedoch geplantes, umweltfreundliches Grünflächenmanagement. Durch selteneres Mähen der Flächen haben Insekten einen geschützten Rückzugsraum. Durch das Abräumen des Schnittguts werden dem Boden Nährstoffe entzogen und auch konkurrenzschwache Wildkräuter können zur Blüte kommen.

Die insektenfreundliche Anlage und Pflege der Grünflächen ist auch bei der Projektfortsetzung in diesem Jahr ein Schwerpunktthema. Um das volle Potential der Flächen auszuschöpfen nahm der Biodiversitätsexperte Dr. Philipp Unterweger jede mögliche Blühfläche in den Gemeinden Bondorf, Jettingen, Deckenpfronn und Weissach unter die Lupe. Herr Unterweger, der bereits das Projekt Bunte Wiese in Tübingen gegründet hat, das 2016 mit dem Landesnaturschutzpreis und 2019 als Modellprojekt für die UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgezeichnet wurde, ist seit gut 10 Jahren in der Biodiversitätsberatung tätig und weiß um die Herausforderung solcher Maßnahmen: „Anwohner sind im ersten Moment oft irritiert, wenn das Gras mal über den Winter stehen bleibt und die Bauhöfe müssen sich für diese sinnvolle Maßnahme rechtfertigen. Hier ist ein Umdenken seitens der Bevölkerung notwendig. Ich freue mich, dass die Gemeinden hier mutig sind, dieses Umdenken anzustoßen und bei dem Projekt mitmachen.“

Um den Bauhof bei der Pflege zu unterstützen, können sich engagierte Bürger als Blühpaten für einzelne Flächen registrieren lassen. Mehr Informationen dazu erteilt der Landschaftserhaltungsverband Böblingen.

Als weitere Maßnahmen findet auch in diesem Jahr eine Informationsveranstaltung zum Projekt statt. Als erfahrene Naturgartenplanerin wird Frau Kerstin Lüchow am … in der Gemeindehalle Deckenpfronn das Thema „insektenfreundliche Privatgärtengestaltung“ vorstellen. Über Anmelde- und Hygieneregelungen informiert der LEV zu gegebener Zeit auf seiner Website.

die Umweltbildung in interessierten Kindergärten im Projektgebiet wird in diesem Jahr wieder durch Streuobstpädagogen begleitet.
Helen Kilian-Rosenkranz
26.05.2021 16:11